Elmar Herburger ist neuer Spartenobmann

Elmar Herburger, Gasthof Mohren in Rankweil, wurde zum neuen Spartenobmann bestellt. Er wird die Tourismusstrategie 2020 weiterführen und sich weiterhin stark für die Interessen der Branche einsetzen. Im Interview erfahren Sie mehr über seine Arbeitspläne.

Musste man Sie lange überzeugen, diese Aufgabe anzunehmen?

   

Ich halte die von Hans Peter Metzler initiierte Tourismusstrategie 2020 für die entscheidende Agenda, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche langfristig abzusichern. Als klar war, dass die Tourismusstrategie 2020 auch in den nächsten Jahren finanziell abgesichert ist, habe ich zugesagt.

   

Sie waren bisher stellvertretender Spartenobmann und wissen, welch großen zeitlichen Aufwand die neue Aufgabe erfordert.

   

Dessen war ich mir bewusst. Ich habe aber ein starkes Team um mich, das mich unterstützt und verschiedene Arbeitsbereiche übernimmt - gerade, was die Strategie 2020 betrifft.  Außerdem stehen mir hervorragende Mitarbeiter in  der Wirtschaftskammer zur Seite. Es wäre sonst nicht möglich, an Zukunftsthemen der Branche zu arbeiten und gleichzeitig Interessenvertretung im klassischen Sinn zu betreiben und die Rahmenbedingungen für die Betriebe laufend zu verbessern.

   

Sie waren Bildungssprecher und bleiben es auch?

     

Ja, und deshalb übernehme ich hauptverantwortlich den Schwerpunkt der Ausbildung im Tourismus.  Wir starten ja im September mit der GASCHT, der Gastgeberschule für Tourismusberufe, ein neues, revolutionäres Ausbildungskonzept, das die duale Ausbildung auf eine neue Stufe hebt. Ich bin mir sicher, dass andere Bundesländer dieses Konzept übernehmen werden und es auch für andere Branchen beispielgebend sein wird.

    

Sie haben maßgeblich an der Entwicklung der neuen Schule mitgearbeitet. Wie lange dauerten die Vorarbeiten?

    

Wir haben rund vier Jahre lang an dieser neuen Ausbildung gearbeitet und versucht, die Defizite der bestehenden touristischen Ausbildungsschienen zu korrigieren. Wir mussten gerade in den beiden ersten Jahren viele Widerstände und Hürden überwinden. Es war uns aber von Anfang an klar, dass es nicht nur Honigschlecken sein würde, wenn man öffentliche Bildungssysteme so revolutionär verändern möchte. Herausgekommen ist letztendlich ein modulares System, das wir im Rahmen einer Privatschule an drei Standorten mit den ersten Klassen im Herbst 2017 in Umsetzung bringen werden.  Die Talente, Kompetenzen und die individuellen Interessen der jungen Menschen stehen in der GASCHT im Vordergrund.

    

Wie ist das Interesse der Jugendlichen an der neuen Ausbildung?

   

Es haben sich über die bisherigen Infoveranstaltungen rund 200 Interessenten registriert. Wir werden zum Start aber insgesamt nur rund 80 Schülerinnen und Schüler im ersten Jahr in den drei Klassen aufnehmen. Qualität in der neuen GASCHT-Ausbildung steht absolut im Vordergrund, auch wenn das bedeutet, dass wir heuer einige Bewerber ablehnen müssen.

      

Welche Themen werden Sie im Sinne der Interessenvertretung der Mitglieder anpacken?

   

Der Kampf um Deregulierung und Bürokratieabbau steht für mich an ganz vorderer Stelle. Wir haben in diesem Bereich mit dem Land Vorarlberg zusammen eine eigene ständige Kommission eingerichtet, die sich laufend mit Bürokratiethemen und –entlastungen beschäftigt. Da bleiben wir ganz bestimmt dran. Die Zeit scheint dafür geeignet zu sein, denn der Abbau von Normen und Vorschriften hat auch in der Politik einen höheren Stellenwert eingenommen. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten stellt für uns ein wichtiges Ziel dar. Wobei wir hier dem Gesetzgeber und dem Sozialpartner begreiflich machen müssen, dass Flexibilisierung in der Industrie etwas anderes bedeutet als im Tourismus. Wir müssen uns, was die Flexibilität der Arbeitszeiten anbelangt, an den Bedürfnissen der Gäste orientieren können. Aber auch bei dem Thema habe ich den Eindruck, dass derzeit die große Chance besteht, etwas zu erreichen. Dasselbe gilt für die Senkung der Lohnnebenkosten, die wir mit anderen Dienstleistungsbranchen verstärkt betreiben wollen.

    

Die Tourismusstrategie 2020 läuft in drei Jahren aus. Wie soll es danach weitergehen?

    

Nur weil die Jahreszahl 2020 die Tourismusstrategie begleitet hat, heißt das nicht, dass sie dann auslaufen wird. Sie ist für unsere Branche ein existenzielles Projekt, das langfristig weitergeführt werden muss. Was wir allerdings in den nächsten drei Jahren aufbauen müssen, sind geeignete Strukturen und eine nachhaltige Finanzierung.

    

In Vorarlberg sperren nach und nach die klassischen Dorfgasthäuser zu. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

   

Eine sehr bedauerliche Entwicklung. Vielfach fehlt die wirtschaftliche Perspektive, damit die nächste Generation den Betrieb weiterführt. Wir versuchen jedenfalls, hier gegenzusteuern. Die Sparte hat dazu gemeinsam mit der Region Walgau ein Projekt gestartet, das die Thematik durchleuchten und Lösungen erarbeiten soll. Ich selbst habe in dem Zusammenhang Glück, denn meine jüngste Tochter Michaela wird in wenigen Jahren unseren Gasthof und den Hotelbetrieb übernehmen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!


Interview: Peter Freiberger

Infos zum neuen Spartenobmann


Elmar Herburger, Jahrgang 1955, ist Wirt vom Gasthof Mohren in Rankweil, den er von seinem Vater übernommen hat. Herburger ist verheiratet und hat vier Kinder. Er war bisher stellvertretender Spartenobmann in der WKV.


Interview in den Vorarlberger Nachrichten vom 27.01.2017

Interview in den Vorarlberger Nachrichten vom 27.01.2017